Die nächste Konferenz wird vom 13. – 15. Oktober 2020 in München stattfinden.

2004 Mainz – Tagungsprotokoll

1. Tag – 16. November 2004

Gerhard Muy, Mitglied des geschäftsführenden Betriebsrates der Stadtwerke Mainz AG sowie Mitglied des SAP/NT-Arbeitskreises, begrüßte um 14.00 Uhr die rund 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen der diesjährigen Konferenz. Er brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Konferenz dieses Jahr in Mainz stattfindet und dass wiederum Teilnehmer aus allen Teilen der Bundesrepublik angereist waren.

Nach kurzen organisatorischen Erläuterungen erteilte er dem Oberbürgermeister der Stadt Mainz, Jens Beutel, das Wort.
In einer launigen Rede hielt der amtierende Oberbürgermeister Beutel einen geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung der Stadt Mainz, die seit über 30 Jahren in der Bundesrepublik auch als Medienstadt bekannt ist. Er wies darauf hin, dass in Mainz jeder sechste Arbeitsplatz von dieser Branche abhängt und sich strukturelle Veränderungen nachhaltig auf die Stadt auswirken würden. Des Weiteren dankte er der Geschäftsführung sowie den Betriebsräten für die Vorbereitung dieser Veranstaltung und gab besonders seiner Freude über den Veranstaltungsort, das Hyatt Hotel, Ausdruck, da die Stadt Mainz Miteigentümerin dieser Hotelgesellschaft sei.
Um die Stadt den Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Konferenz näher zu bringen, wurde ein Kurzfilm über die Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten von Mainz gezeigt.

Anschließend begrüßte Detlef Höhne, Vorstandsmitglied der Stadtwerke Mainz AG, die Konferenzteilnehmerinnen und Teilnehmer und ließ einen kurzen Abriss über die Historie der SAP-Konferenzen folgen. Er nahm ferner Stellung zu allgemeinen IT-Problemen in Stadtwerken und fand auch sehr kritische Worte zur mächtigen IS-U-Anwendung, die nach seinen Worten nicht unmaßgeblich dazu führte, dass man SAP auch als „Sanduhr-Anzeigen-Programm“ bezeichnete.

Der Betriebsratsvorsitzende der Stadtwerke Mainz, Hermann Kohler, ging in seiner Begrüßungsrede besonders auf die Veränderungen der Betriebsratsarbeit ein. Er berichtete, dass sich die Stadtwerke Mainz, wie die meisten anderen Stadtwerke auch, in ständigen Umstrukturierungsprozessen befände und dass es für Arbeitnehmervertreter sehr schwer sei, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten. Obwohl es in Mainz gelungen sei, betriebsbedingte Kündigungen zunächst auszuschließen und Einkommenssicherungen vereinbart seien, sehe er der kurz- und mittelfristige Zukunft mit Hochspannung entgegen.

Da der Kollege Franz Josef Wolf, Geschäftsführer des ver.di-Bezirkes Rhein-Nahe-Hunsrück, erkrankt war, setzte der Sprecher des SAP/NT-Arbeitskreises Rolf Nidrich das Programm mit dem Bericht des Arbeitskreises fort.
Zunächst dankte Rolf Nidrich den Vorständen und Geschäftsführungen aller Unternehmen für die Unterstützung der Arbeit des Arbeitskreises und der Finanzierung der Konferenzen. Danach stellte er das Konferenzprogramm im Einzelnen vor und erläuterte die Gründe für die Themenstellungen. Insbesondere wies er noch einmal auf die Inhalte der Foren hin, zu denen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen anmelden sollten:

  • Forum 1 – SAP-Business-Warehaouse im P-Bereich. Chancen und Risiken.
  • Forum 2 – DV-Ausschuss. Gestern, heute, morgen. Wie kann optimale Arbeit der DV-Ausschüsse aussehen?
  • Forum 3 – Internet-Nutzung durch Arbeitnehmer. Privat/Dienstlich. Probleme/Lösungsansätze. Betriebsvereinbarungen.
  • Forum 4 – Kundeninformationssysteme (CRM), Servicecenter (technische und politische Sichtweise)

Rolf Nidrich kam in seinen Ausführungen noch einmal auf das in der Vergangenheit nicht immer spannungsfreie Verhältnis zwischen ver.di und dem Arbeitskreis zu sprechen. Die Probleme sind s. E. mittlerweile im Wesentlichen beigelegt und damit seien gute Voraussetzungen für eine funktionierende Zusammenarbeit geschaffen.
In diesem Zusammenhang wies er nochmals darauf hin, dass es sich bei den SAP-Konferenzen nicht um Veranstaltungen im Sinne von § 37 BetrVG handele und die Vorstände und Geschäftsführer vor Ort von der Bedeutung der Teilnahme überzeugt werden müssten.

Auf mündlichen Antrag hin bestätigte die Konferenz die Arbeit des SAP-/NT-Arbeitskreises sowie seine aktuellen Mitglieder. Die bisherigen Arbeitskreismitglieder Rainer Lammers (Osnabrück), Barbara Neumann (Kiel) und Rolf Nidrich (Bremen) wurden verabschiedet.

Die nächste SAP-/NT-Konferenz wird vom 15. – 17.11.2005 bei den Stadtwerken Hannover stattfinden. Für 2006 ist als Veranstaltungsort Dresden vorgesehen, zur Ausrichtung haben sich hier die Verkehrsbetriebe bereit erklärt.

Um 15.00 Uhr nahm Ernst Forster von den Stadtwerken München zum Thema des ersten Forums „SAP-Business-Warehouse im P-Bereich. Chancen und Risiken.“ Stellung. Zuerst legte er einen bildhaften Rundgang durch das sog. Münchener Projekt dar. Er erläuterte hierzu, dass der Arbeitsplatzabbau seit 1992 von damals fast 12.000 auf heute nahezu 7.000 Mitarbeiter/innen geführt hat.
Das Datawarehouse beschrieb er folgendermaßen: Aus verschiedenen Quellsystemen werden Daten zusammengefasst und in eine Art „Würfel“ zusammen gepackt. Je nach Berechtigung kann auf diese Würfel zugegriffen werden.
Sowohl das Berechtigungskonzept selbst, als auch die Anwenderschulung werden schlank gehalten. Dies zeigt sich auch darin, dass Führungskräfte und übrige Nutzer Informationen im Pdf-Format erhalten und Schulungen im herkömmlichen Sinne entfallen können.
In München ist das von Arbeitnehmervertretern oft kritisch beurteilte SAP-Modul HR das führende Managementsystem. Es wurde jedoch eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die einen vernünftigen Umgang gewährleistet. Dieses Verfahren garantiert eine valide Datenbasis für operative und strategische Entscheidungen und setzt ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Vorstand und Betriebsrat voraus.

Um 16.00 Uhr erfolgte eine Präsentation der neu geschaffenen Internetseite der SAP-/NT-Konferenzen. Diese Vorstellung präsentierte Dirk Katzung, Mitglied des SAP-/NT-Arbeitskreises, mit Unterstützung von Herrn Thietz vom „Unternehmen Online GmbH & Co. KG“.
Ziel des Internet-Auftritts ist die Einrichtung einer dauerhaften Informationsplattform, in der u. a. die Durchführung und Ergebnisse der jährlichen SAP-/NT-Konferenzen dargestellt werden. Es soll eine ständige Informationspräsenz gewährleistet werden, die unabhängig von den Web-Sites der jeweils ausrichtenden Unternehmen ist.

 

2. Tag – 17. November 2004

Der Konferenzleiter Gerhard Muy begrüßte die Konferenzteilnehmerinnen und Teilnehmer um 09.30 Uhr. Aufgrund einer großflächigen Unterbrechung der Wasserversorgung in der Stadt Mainz, von der auch das Tagungshotel betroffen war, konnte die Konferenz erst zu diesem späteren Zeitpunkt beginnen.

Es folgen drei weitere Schlüsselvorträge, die am Nachmittag in den Foren diskutiert werden:

Ulli Mott von Forbit nahm Stellung zum Thema „Internet-Nutzung durch Arbeitnehmer. Privat/Dienstlich. Probleme/Lösungsansätze. Betriebsvereinbarungen.“

Dr. Andreas Blume, BIT, erläuterte das Thema „Kundeninformationssysteme (CRM), Servicecenter (technische und politische Sichtweise)“.

Zur Frage DV-Ausschuss – gestern, heute, morgen. Wie kann optimale Arbeit der DV-Ausschüsse aussehen? bezog Knut Hüneke Position.

14.00 – 17.30 Uhr Foren 1 – 4

 

3. Tag – 18. November 2004

Nach der Begrüßung durch Gerhard Muy präsentierte Andreas Eisel von SAP, Walldorf, das Thema „Unterstützung der Einkaufsprozesse mit my SAP SRM“. Er wies eingangs darauf hin, dass er nicht beabsichtigte, eine „Folienschlacht von SAP“ zu führen, sondern sich auf die drei wichtigsten Bestandteile dieser Software konzentrieren wolle:

  1. Strategischer Einkauf
    Hierbei handelt es sich um Analysen, Bewertung, Registrierung, Ausschreibung und Kontakte.
  2. Operative Beschaffung
    Hierunter ist ein optimierter Einkauf via Internet mit Hilfe von Einkaufskatalogen zu verstehen.
  3. Lieferantenanbindung
    Damit ist gemeint, dass die Lieferanten in das my SAP SRM integriert werden und so z. B. der Aufwand für Anfragen und Bestellungen auf ein Minimum reduziert werden kann.

Zum Abschluss der Konferenz fand um 10.30 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Ausblick und Vision – Neue Technologien und ihre Auswirkungen auf die Arbeitnehmer“ statt.

Egon Muthmann ließ als Diskussionsleiter zunächst die Themen der letzten Tage Revue passieren. Dabei ging er besonders auf die Veränderungen in der Arbeitswelt durch e-Business und my SAP.com als virtueller Marktplatz ein. Die wichtigsten Unternehmensziele seien nunmehr: Hebung von Synergiepotenzial sowie Optimierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen.

Knut Hüneke sah das auch so und wies darauf hin, dass heute Mitarbeiter und Geschäftsprozesse durch Daten gesteuert werden (Workflows). Damit sei „Dienst nach Vorschrift eine Streikform“ geworden. Und da es oft anders kommt, als man denkt pflichtete Herr Kahlberg bei, ist die höhere Belastung von Mitarbeiter/innen of „auf das Ausbügeln nicht funktionierender Technik“ zurück zu führen.

Claudia Schertel von ver.di-innotec betonte, dass ihre Beratungsgesellschaft Brücken zu humaner Arbeitswelt schlagen will. Es ist nämlich mittlerweile so, dass die Wertschöpfung nicht mehr von Menschen sondern von Daten abhängig ist. Und die Arbeit selbst ist durch Arbeiten im Netz räumlich und zeitlich sehr flexibel geworden. Für Betriebsräte ergeben sich vielfältige Aufgaben.

Auch Hermann Kohler sah durch die Datenflut hohe Belastungen auf die Beschäftigen zukommen und erinnert an die „gute alte Papierzeit“. Wenn sich Mitarbeiter/innen an Vorschriften halten, „funktioniert der Laden nicht mehr“.

Andreas Eisel hob die Dienstleisterrolle von SAP hervor. Der von SAP unterstützte Kernprozess Einkauf trägt auch bei Energieversorgern entscheidend zum Unternehmenserfolg bei. In diesem Zusammenhang weist Knut Hüneke darauf hin, dass der Einkaufsprozess nach SAP auch Arbeitsplätze kostet.

Herr Kahlberg berichtete, dass nach seinen Erfahrungen die Gestaltung von Software fast immer erst nach ihrer Einführung erfolgt. IV-Systeme sind der Versuch, die Realität abzubilden. Aber Versäumnisse baden regelmäßig die Kolleg/innen aus. Und eine immer wieder gehörte Gleichung stimmt nicht: Einsatz von Technik bedeutet nicht zwangsläufig Personalabbau.

In seinen Schlussworten dankte Rolf Nidrich im Namen aller Konferenzteilnehmerinnen und Teilnehmerinnen dem Vorstand der Stadtwerke Mainz sehr herzlich für die Vorbereitung und Durchführung der gelungenen Veranstaltung. Er bat die Teilnehmer/innen, Themenwünsche für die nächste Konferenz im November 2005 einzubringen. Erfreulicherweise steht jetzt schon fest, dass die folgenden Konferenzen in Dresden und Essen statt finden werden.

 

Manuel Mertes
Protokollführer

 

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