Die nächste Konferenz wird vom 05. – 07. November 2019 in Wuppertal stattfinden.

2003 München – Tagungsprotokoll

1. Tag – 4. November 2003

Peter Lindner, Betriebsrat der Stadtwerke München GmbH und Mitglied des Arbeitskreises SAP/NT begrüßte alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf das herzlichste.
Er zeigte sich erfreut über die hohe Teilnehmerzahl von 98
Kolleginnen und Kollegen aus 46 Unternehmen der Versorgungs- und Verkehrsbranche der Bundesrepublik und betont, gerade in den heutigen Zeiten sei ein Gedankenaustausch eminent wichtig, um den Anforderungen gerecht zu werden, die jeder Personal- oder Betriebsrat heute zu bewältigen hat!

Dass die Konferenz das Kürzel NT = „Neue Technologien“ hinzu bekommen hat, liegt an der großen Vielfalt der DV – Welt, die in den Unternehmen Einzug gehalten hat. Dem muss die Konferenz aus Sicht des Arbeitskreises Rechnung tragen!

Peter Lindner dankte allen Kolleginnen und Kollegen, die ihm vor und während der Konferenz hilfreich zur Seite stehen.

Schade ist, dass kurzfristig Norbert Krause aus Bremen als Referent abgesagt hat. Ein besonderer Dank geht schon jetzt an Wolfgang Albrecht, Stadtwerke München, der kurzfristig eingesprungen ist.

Peter Lindner wünscht allen ein gutes Gelingen und eine erfolgreiche Konferenz!

Frau Dr. Gertraud Burkert, 2. Bürgermeisterin der Stadt München, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz.
Sie betonte, dass von der Themenwahl die Stadt München als High-Tech-Standort der ideale Gastgeber für diese Konferenz ist. Um das zu dokumentieren, zeigte Sie einen kurzen Film über München aus der Sicht eines Softwareherstellers. Gleichlautente Kürzel im Konferenznamen sind reiner Zufall!?
Danach informierte sie über die Einführung von SAP R 3 in der Buchführung der Stadtverwaltung München. Nach einer Einführungszeit von über drei Jahren werden 3000 Mitarbeiter mit dem System arbeiten. In weiteren sieben Bereichen der Stadt München laufen die verschiedensten SAP – Anwendungen.
Der Stadtrat will moderne Managemententscheidungen treffen, dafür braucht man eben die notwendige Software. Die Kosten für solche Projekte müssten auch sichtbar gemacht werden, man stehe ja im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft.
Mit dem neuen System gibt es jetzt eine komplett neue Buchungstechnik, mit der sich die Kolleginnen und Kollegen auseinandersetzen müssen.
Nach Anfangsschwierigkeiten sind erste Projekte umgesetzt, dabei sah man, wie wichtig die Arbeit mit den Betriebs- und Personalräten war und ist!
Es gab zur Einführung ein gemeinsames Projekt zwischen OB und PR sowie eine Vereinbarung zur Einführung. Fremdfirmen werden vertraglich an diese Vereinbarung gebunden. Die Standards der Arbeitsplätze, Qualifikationsmaßnahmen und die Akzeptanz der Mitarbeiter muss durch deren Mitbeteiligung gestaltet werden. Für auftretende Meinungsverschiedenheiten wurde eine Kommission gebildet, die seit einem Jahr nicht mehr zusammen treten musste. Durch Gesetzesänderungen muss ständig die BV aktualisiert werden. Im Intranet der Stadtverwaltung München steht ein Schulungsprogramm zur Einführung neuer Software zur Verfügung.

Frau Dr. Burkert musste sich dann verabschieden. Da der OB zur Demonstration gegen die Steuerpolitik der Regierung in Berlin weilt, führt sie die Amtsgeschäfte weiter. Sie wünschte der Konferenz zum Schluss Ihrer Ausführungen viel Erfolg.

Als nächster begrüßte Reinhard Büttner, Geschäftsführer für Personal und Soziales bei den SWM die Teilnehmer. Er wolle keinen Film zeigen (wie seine Vorrednerin), dafür mit Worten den Teilnehmern gutes Gelingen für den Verlauf der Konferenz wünschen. In den letzten Jahren hat es viel Bewegung im IT – Bereich gegeben, was von Unternehmen und PR viel Leistung abverlangt. Bei Stadtwerken im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft muss schnell gehandelt werden, es besteht ein hoher Regelungsbedarf in den verschiedensten Bereichen. Zur Zeit wird eine neue Rahmen – BV besprochen, um flexibler handeln zu können. Die SWM sind das letzte große kommunale Unternehmen ohne private Beteiligung. Die Finanznot wirft einige Schatten auf die SWM. Es gibt immer wieder Debatten über den Verkauf der SWM. Von den 30 deutschen DAX – Unternehmen gibt es acht in München, aber keines zahlt Gewerbesteuer. Die SWM zahlt in München den höchsten Gewerbesteueranteil, danach folgt die Sparkasse München. Mittelfristig müssen die Kommunen entlastet werden, sonst wird alles auf den Prüfstand gestellt (bei Privatisierung ist es egal, welche Parteien im Stadtrat sitzen). Aus Brüssel kommt die Verordnung, dass die Wasserlandschaft liberalisiert werden muss. Da gibt es die nächsten Kämpfe. Die Software SAP beschleunigt Prozesse, dadurch soll die kommunale Selbstverwaltung erhalten werden. Die SWM sind in der Lage, auf der nächsten SAP – Stufe zu arbeiten. Business – Warehouse wurde z.B. eingeführt. Personaldaten können verglichen, bearbeitet und ausgewertet werden. Die Verhandlungen dazu mit dem PR laufen. Das System soll genutzt werden, um rationeller arbeiten zu können. Es ist eine riesige Rationalisierungsmaßnahme, Führungskräfte sollen steuernd in Prozesse eingreifen können. Dazu muss natürlich eine BV abgeschlossen werden!

Zum Schluss gab Herr Büttner den Tipp, dass das Nachtleben in München durchaus aufregend sein kann. Die geplanten Abendveranstaltungen eignen sich insbesondere zum wichtigen Erfahrungsaustausch. Er wünschte allen viel Erfolg und fruchtbare Beratungen.

Nun wurden die Teilnehmer von Toni Hoffmann, Konzernbetriebsratsvorsitzender der SWM, begrüßt. Er ging am Anfang auf die Historie der Konferenz ein. Die erste fand 1988 in Wuppertal statt nun ist nun zum zweiten Male in München. „Einmal SAP, immer SAP“ so könnte man es beschreiben, wenn man sich für die Einführung dieser Software einmal entschieden hat. Es gibt immer neue Module und ihm ist auch nicht bekannt, dass es irgendwo zu Rückumstellungen von SAP im großen Stil gekommen ist. Viele Verhandlungsstunden zwischen Arbeitgeber und PR sind nötig, wenn neue Systeme eingeführt werden sollen, es gibt auch immer wieder die Mahnung an den AG, braucht man wirklich jedes DV – System? Die Hauptaufgabe der PR/BR ist der Schutz der Kollegen, die mit DV – Systemen arbeiten! Zum Schluss wünschte er der Konferenz gutes Gelingen.

Vor dem ersten Referenten gab Rolf Nidrich, einer der beiden Sprecher des AK, den Rechenschaftsbericht des AK über die letzten zwölf Monate bekannt. Er dankte zum Anfang Rainer Büttner, Toni Hoffmann, Peter Lindner und allen fleißigen Helfern für die Ausrichtung der Konferenz! Leider gibt es immer noch Probleme mit ver.di. Man hofft am letzten Konferenztag, an dem ein Vertreter von ver.di kommen soll, auf klärende Worte.

Der erste Referent dieser Konferenz war ein alter Bekannter.
Knut Hüneke, schon 1999 in Mannheim als Referent vertreten, sprach über das Thema Leistungs- und Verhaltenskontrolle bei IT – Anwendungen. Der Satz, Leistungs- und Verhaltenskontrolle findet nicht statt, ist Quatsch, es findet immer eine LK und VK statt. Es gibt seit Jahren Untersuchungen, was den AN wichtig ist. Leider kommt da der Datenschutz ganz weit unten. Er habe mit PR der Stadt München zur Einführung SAP –  R 3 gesprochen. Demnach ist es bei weitem nicht so positiv, wie es dargestellt wurde. Die Führungskräfte sind zum Teil überfordert, dadurch ist auch das nachfolgende Personal nicht im Bilde.

Nun gab es die erste Kaffeepause, die schon heftig zum Diskutieren, Kennenlernen und Wiederauffrischung alter Bekanntschaften genutzt wurde.

Vor Ende des ersten Tages gab es das Referat von Werner Albrecht, SWM, zum Thema Internet und E-Mail, was in eine BV gehört. Werner Albrecht stellte sich kurz vor. Er ist seit vier Monaten in München, bis Ende Mai 2003 war er fast 20 Jahre bei der ÖTV und ver.di beschäftigt. Seit Juli 2003 ist er bei den SWM für Personalpolitik und Grundsatzfragen mit zuständig. Am heutigen Morgen wurde vom Vorstand der SWM seine BV-Vorlage zum o.g. Thema beschlossen und muss jetzt mit dem PR besprochen werden. Wenn Internet im Betrieb genutzt wird, muss zwischen dienstlicher und privater Nutzung unterschieden werden.
Zur Info: 90% der deutschen Unternehmen lassen private Nutzung zu!!! Zur Sicherheit vor Virenbefall werden Filter eingebaut. Die Zugriffsberechtigungen müssen geklärt werden (z.B. Passwort bei längeren Krankheiten). Strafrechtlich relevante Themen werden verfolgt (z. B. pornographische oder rechtsradikale Themen). Dazu gibt es eine Info an die Mitarbeiter. Natürlich muss eine BV getroffen werden. Bei ver.di gibt es dazu einen Vorschlag.

Damit war der offizielle Tagungsteil vorüber. Es gab eine gelungene Abendveranstaltung im Unions – Brauhaus mit deftigem Abendmenü!

 

2. Tag – 5. November 2003

Zum Auftakt des zweiten Tages begrüßte Peter Lindner alle Teilnehmer und richtete die Grüße der Wirtsleute der Unions – Brauerei aus, denn sie hätten selten solche netten Gäste gehabt.

Der erste Referent des Tages war Heinrich Henseler, der bDSB bei der DEW GmbH Dortmund. Er sprach über die Rolle und die Zusammenarbeit des bDSB mit dem PR/BR. Das Thema passe sehr gut in die Landschaft. Zum Datenschutz ist von den Anwesenden eh jeder verpflichtet, leider wird das aber viel zu wenig gelebt.
In der Öffentlichkeit wird folgendes diskutiert:

– Mitwirkung des BR/PR bei der Auswahl des bDSB
– Hat der bDSB das Recht, die Daten der MA zu prüfen

Nun kamen die ersten Fragen aus dem Plenum:

Frage: Was macht der BR/PR, wenn er feststellt, das Unternehmen hält sich nicht an die BV?
Antwort: Der bDSB prüft, berichtet und berät.
Frage: Gibt es in Dortmund eine Rahmen – BV?
Antwort: Ja.

Danach gab es wieder eine Kaffeepause und anschließend referierte
Dr. Andreas Blume (auch nicht zum ersten Mal bei der Konferenz dabei) über die Inhalte einer BV zu Workflowmanagementsystemen.

Ab 11.00 Uhr wurden dann die Karten für die vier verschiedenen Foren vergeben und noch vor der Mittagspause sprach Thomas Barthel von Forbit zum Thema Balanced Score Card; Chancen und Risiken für MA.

Nach der Mittagspause traten dann jedes der vier Foren zu seiner Arbeit zusammen.

Zum Tagesabschluss wurde eine Stadtrundfahrt durchgeführt, die am Gelände der SWM endete. Hier im Casino der SWM gab es dann eine Abendveranstaltung mit herrlichem Büffet und reichlich zu trinken. Dabei wurden die Anwesenden von einem Zauberer unterhalten.
Alles in allem, so die Anwesenden,  „Eine sehr gelungene Veranstaltung“!

 

3. Tag – 6. November 2003

Kaum zu glauben, aber schon war der letzte Tag der Konferenz angebrochen. Aber man weiß ja, je schneller die Zeit vergeht, um so interessanter die Veranstaltung!

Zu Beginn gab Peter Lindner noch einige organisatorische Hinweise. Es wurde ein Busshuttle zum Flughafen bereit gestellt und er verwies schon auf die nächste Konferenz 2004 in Mainz.

Nach langen Kämpfen und Diskussionen war es dann soweit. Mit Lothar Schröder, Bereichsleiter Innovations- und Technologiepolitik im Bundesvorstand ver.di, kam nach vielen Jahren ein offizieller Vertreter der Gewerkschaft zu unserer Konferenz. Lothar Schröder begann mit dem Hinweis, man hätte sich früher treffen müssen. Dies loste ein allgemeines Gemurmel aus. Dann sprach er zum Thema seines Referates. Er verwies darauf, dass es zum Beispiel Call – Center der Lufthansa in Irland oder Südafrika gebe, um Kosten zu sparen. Sony würde pro Arbeitsstunde drei neue Produkte erzeugen. In Betrieben halten die Manager ihre “ Sonntagsreden „, wo angeblich die MA die wichtigste Ressource sind, aber nach außen zählt nur die Höhe des Betriebsergebnisses. Diese Beispiele sollen zeigen, vor welcher Herausforderung die Gewerkschaften in der heutigen Zeit stehen. Die deutschen Gewerkschaften, gemeinsam mit PR und BR, haben es versäumt, rechtzeitig für eine humanitäre Arbeitswelt im IT – Bereich einzutreten. In deutschen Betrieben wird nur noch über Personalabbau gesprochen und dieser auch vollzogen. Was macht die Gewerkschaft dagegen? Es läuft das Projekt “ quid „, das soll ein Gütesiegel (Zertifizierung) für Datenschutz werden. In Hamburg wird Senioren ein Internetführerschein angeboten. Von 2000 Angeschriebenen wollen ihn 1200. Dieses Interesse wurde nie erwartet. Es ist dringend notwendig “ int.unity “ zu schaffen. Das heißt, Austausch zwischen europäischen BR/PR mit integrierter Übersetzungssoftware. „e-union „: Es soll erforscht werden, was Gewerkschaften alles im Netz anbieten können, z.B. Lohnvergleiche, Lohnsteuerüberblick, Videokonferenzen. Ein Betriebsräteportal soll geschaffen werden. „e-vote „: Man will an der Entwicklung elektronischer Wahlverfahren mitarbeiten, um z.B. die BR – Wahl zu erleichtern. Ebenso wolle man Innovationsprojekte fördern, Runde Tische in Betrieben organisieren, um beschäftigungswirksame Innovation zu fördern.

Die Teilnehmer der Konferenz hoffen, dass das Vorgetragene auch mit Leben erfüllt wird und die Zeit der Selbstbeschäftigung bei ver.di vorbei ist!

Vor dem letzten Höhepunkt der Konferenz, einer liebgewordenen Tradition folgend ist das eine Podiumsdiskussion, gab es die letzte Kaffeepause der Veranstaltung.

Natürlich wurde über die Worte von Lothar Schröder rege diskutiert. Man wollte aber keine voreiligen Schlüsse daraus ziehen und abwarten, wie denn in Folge die Realität aussieht. Nichts desto Trotz, ein erster Schritt von ver.di ist getan. Nun gilt es, die Zusammenarbeit zu intensivieren!

Die abschließende Podiumsdiskussion wurde von Egon Muthmann, BR der DEW Dortmund und einer der Sprecher des AK, moderiert. Sie stand unter dem Motto:
„Veränderung der Arbeitswelt unter dem Einfluss von IT“.

Podiumsteilnehmer:

  • Ludwig Wörner – MDL Bayern, SPD – ehemaliges Mitglied des AK
  • Werner Albrecht – SWM
  • Prof. Dr. Peter Wedde – Datenschutzexperte
  • Toni Hoffmann – Konzern-BR / Vorsitzender, SWM
  • Karl – Heinz Brandl – ver.di – innotec

Prof. Wedde:
Seit Mitte der achtziger Jahre wird viel über dieses Thema geschrieben und besonders auf die Verletzlichkeit der Informationsgesellschaft hingewiesen. Das Thema ist damals so aktuell wie heute.
Es gibt Auswirkungen auf die Mitbestimmung in den Betrieben, insbesondere die  Aushöhlung von Mitbestimmungsrechten. Leider sind diese Trends bis heute auch alle eingetreten. Gibt es zum Beispiel in den Betrieben BV über Firewall? Größtenteils nicht.
Die AN sind zunehmend wehrlos (Kontrolle der e – Mails z.B. heimliche Videoüberwachung nach vorher begangenen Diebstählen – BAG-Urteil von diesem Jahr). Es müssen Sicherheitsmaßnahmen geschaffen werden.
Geplant ist zum Beispiel ab 01.01.2006 die Einführung einer Gesundheitscard, die approbierten Ärzte können dann alles lesen.
Es wird fast nur noch nach Wirtschaftlichkeit gehandelt, nicht nach Rechten der Arbeitnehmer.

Karl – Heinz Brandl :
Als Nachredner von Lothar Schröder könnte ich mir es einfach machen. Das will ich aber nicht.
Einige Beispiele zur Überwachung:
Im Einzelhandel gibt es Bon – Analyse – Systeme, jeglicher Tastaturdruck wird im Data-Warehouse gespeichert, es gibt jetzt kleine Programme, die z. B. Stornotasten rausfiltern können. Das ist ein eindeutiger Verstoß gegen Verhaltens- und Leistungskontrollen.
Scill – Datenbank : weltweite Datenbank mit Fähigkeiten der Beschäftigten.
Business Warehouse : alle Daten von SAP werden dort gespeichert und können ausgewertet werden (auch personenbezogen).
Das sind nur wenige Beispiele, in denen wir z.Z. in Prozessen stehen. Alles fließt ineinander und der Mensch als MA wird immer durchschaubarer! IT ist eine strategische Größe in den Betrieben geworden und die Praxis ist: „Nicht der Mensch ist das Wichtigste, nur die Wirtschaftlichkeit ist wichtig“. Die Interessenvertretungen werden meistens zu spät mit einbezogen.

Werner Albrecht :
An ihn wurde die Frage gestellt. Ist die Organisation von IT – Einführung wirklich Arbeitgebersache?
Wegen bisher sehr kurzer Beschäftigungszeit fühlte er sich nicht so aussagefähig, er versucht im IT – Bereich etwas zu ändern.
Die Rahmen-BV wird  – wie gesagt –  neu verhandelt. Dazu gibt es 16 BV zu  IT – Projekten. Niemand liest diese BV’s mehr, einige widersprechen sich selbst. Der BR muss von Anfang an in neue Projekte einbezogen werden, also noch vor Einführung und Entscheidung.

Toni Hoffmann :
Frage an Ihn: Viele Ausschüsse, viele BV, muss der Weg der Mitgestaltung neu definiert werden ? Die alte Rahmen-BV ist überholt, muss modifiziert werden. Es klingt zwar, als sei bei den SWM alles in Ordnung, aber die Praxis sieht zum Teil anders aus, über die neue BV wird zäh gerungen. Bei der Einführung neuer Systeme denkt die Geschäftsführung: Was so teuer ist, muss auch gleich laufen. Die Gestaltung der Einführung von IT muss bis in den Aufsichtsrat getragen werden, dieser sollte paritätisch besetzt sein. Die Überstunden im DV – Bereich sind sehr hoch, gerade bei Einführung neuer Systeme. Die MA knien sich sehr rein und es ist schwierig für den BR, ein Stoppzeichen zu setzen. Es gibt zwar eine E-Mail-BV, auch eine Internet-BV, aber es ist sehr, sehr schwierig, alles richtig umzusetzen! Es ist noch viel zu tun, lasst es uns anfassen.

Egon Muthmann stellte die Frage:
Ludwig Wörner war PR – Vorsitzender und Vorreiter zu den Themen im IT – Bereich. Nun sitzt er im Landtag, wie ist da sein Einfluss?

Ludwig Wörner: Ich sitze im IT-Ausschusses des Landtages, es ist gerade bei Finanzämtern interessant festzustellen, wie erschrocken die sind, wenn ein Abgeordneter wirklich Wissen hat. Die Gesellschaft unterliegt einem Wandel, man muss darauf achten, dass die Moral und Würde des Menschen nicht kaputt gemacht werden.
Die Würde des Menschen sind auch seine persönlichen Daten. Man ist in diesem Land auf dem besten Wege, alles über Bord zu werfen im Hinblick auf Globalisierung und Wettbewerb. Als Geschäftsführer muss man erreichen, dass sich der MA mit dem Unternehmen identifiziert; er muss als erster bei der Einführung von Neuem dabei sein. Ich warne die PR/BR, lasst euch nicht ersticken in Arbeit und macht nicht bis ins letzte Detail alles mit. BV müssen gelebt werden und das ist das Entscheidende! Hard- und Software kosten viel Geld, die MA müssen gern damit arbeiten und sich nicht beobachtet fühlen. Datenschutz ist sehr sensibel und wichtig, auch der Staat ist gefordert. Zum Beispiel gegen den gläsernen Menschen (auch wenn die Polizei das fordert). Hier besteht ein riesiger Handlungs- und Regelungsbedarf! Die Menschen wehren sich nicht gegen die Benutzung ihrer Daten (Grundwissen fehlt). Auch in der Politik gibt es nur Wenige, die sich ernsthaft mit IT beschäftigen.
Es geht nicht um Bites und Bytes, sondern,  – wo beginnt die Würde des Menschen -, (nicht auszuspionieren). Dann gab es zu diesen Ausführungen eine Anmerkung aus dem Plenum: Es war toll, dass sich von ver.di jemand her traut und der Vortrag war auch nicht schlecht. Aber ver.di muss mehr auf die Leute eingehen, das Miteinander muss forciert werden. Das Thema Data-Warehouse sollte auf der nächsten Konferenz mit auf die Tagesordnung kommen.
Ein Internetportal für BR kostet Geld, man muss das koordinieren, weil z.B. die ICBGE auch so ein Portal aufbauen will. Man braucht nicht alles dreimal.

Dann gab es eine weitere Frage an das Podium:
Betriebe sind laufend in Projekte eingebunden (viele oft mit mehreren gleichzeitig). Darunter Themen, die BR/PR vor Riesenprobleme stellen. Wie kann der BR/PR sich ordentlich einbringen, ohne unter dem Druck zusammenzubrechen?

Karl – Heinz Brandl:
Ich habe dazu drei Thesen:

  1. Wir sind die Experten (Beschäftigte, Interessenvertretungen), BR – Arbeit muss mit den Beschäftigten in den Projekten zusammen erfolgen.
  2. Der BR/PR ist eine der wenigen Stellen im Betrieb, die aus allen Teilen des Unternehmens kommen, das ermöglicht eine ganzheitliche Sicht!
  3. Mitbestimmung ist Mitverantwortung, man darf nicht im Detail versacken.

Es gibt eine Studie im Zentrum für europäische Wirtschaftsförderung, wo ist Gruppenarbeit mit BR/PR eingeführt wurden? Nur dort, wo es der Fall war, gab es eine Bruttowertschöpfung bis zu 25 %! Strategisch muss gearbeitet werden, nicht im Detail!

Werner Albrecht :
Die Vielzahl von Projekten laufen parallel, der BR/PR darf nicht arbeitsunfähig werden, indem er sich verzettelt.
Projekte sollen ja auch starten und nicht verhindert werden.

Frage : Wie wird der BR/PR nach Unterschrift einer BV weiter mit einbezogen?
Das ist ganz wichtig, die Kontrolle der BV muss mit den Beschäftigten gemeinsam erfolgen ! Der AG und der BR muss eine gemeinsame Sicht entwickeln.

Ludwig Wörner:
Wer macht die Einführungsgeschwindigkeit? Die ist doch nicht Gott gewollt! Es ist Wahnsinn, was bei der Einführung von Systemen an Geld verpulvert wird!
Berater seitens des Unternehmens sind gewollt, für BR/PR soll das öfters nicht gelten, da waren die Zeiten früher besser!
BV können auch langfristig wachsen und in die Endform gebracht werden.
Ich habe das Amt des BR als Busfahrer begonnen und hätte es ohne externe Berater nicht bewältigt.
Entscheidend sind doch Wissenstransfers, Entlastung und Vertrauen!
Am Geld soll es doch wohl nicht scheitern, es ist gutes Geld und nicht rausgeschmissenes Geld für BR – Beratung!
Mit Beratern ist auch mehr Sicherheit für BR/PR gegeben!

Zum Abschluss sagte Egon Muthmann:
Die Beteiligung der AN bei Projekten ist ein hoher Erfolgsfaktor. Den Kollegen muss Zeit gegeben werden ( BV – Verhandlung z.B. ) und Berater sind für BR/PR immens wichtig!

Wie schnell vergeht die Zeit. Nach diesen Worten und noch einigen Danksagungen an das Team der SWM für eine hervorragend organisierte und durchgeführte Konferenz war die 16. SAP/NT – Konferenz Geschichte!

Wir freuen uns alle auf das Jahr 2004. Die Mainzer Kollegen wollen sich mit genau solcher Mühe auf die nächste Konferenz vorbereiten.

Mein Dank als Protokollant gilt noch einmal den Münchner Kolleginnen und Kollegen, die für mich optimale Arbeitsbedingungen geschaffen haben!

Ich hoffe, wir sehen uns alle wieder im Herbst 2004!

 

Uwe Herzog
Protokollführer

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