Die nächste Konferenz wird vom 13. – 15. Oktober 2020 in München stattfinden.

1998 Berlin – Tagungsprotokoll

1. Tag – 20. Oktober 1998

Am 20.10.1998, um 14.00 Uhr wurde die 11. SAP-Konferenz für Betriebs- und Personalräte von Christian Münnich, Mitarbeiter des Betriebsrates der Bewag und sozusagen Cheforganisator der Vorbereitung und Ausrichtung der Konferenz  eröffnet.

Anschließend begrüßte Ingrid Strebel-Meixner, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Bewag, alle Anwesenden mit ihren Worten.

Nach diesem freundlichen und herzlichen Willkommensgruß ergriff Dr. Kurt Lange, Vorstandsmitglied  für Personal und Soziales der Bewag, das Wort und begrüßte im Namen der Geschäftsleitung der Bewag alle Anwesenden.
Dr. Kurt Lange betonte, das die Energieunternehmen eine Vorreiterrolle im allgemeinen Wettbewerb übernommen haben und deshalb auch die neue Energierechtsnovelle richtungsweisend sein wird. Dabei, betonte er, kann Wettbewerb  auch sehr lehrreich sein. Die Bewag hat besondere Schwierigkeiten im Wettbewerb,  da sie das einzige deutsche Energieunternehmen ist,

  • das voll privatisiert wurde
  • das Ost – West – Beschäftigtenproblem hat
  • eine sehr schlechte Ausgangsposition  im Wettbewerb  hat.

Durch die deutsche Einheit mußten bis zum heutigen Tage viele Investitionen getätigt  werden, was natürlich auch Auswirkungen für die Aktionäre hat, denn die wollen Dividende sehen und das ist bei gewaltigen Investitionen nun mal nicht uneingeschränkt möglich.
Zum Abschluss seiner Ausführungen betonte Dr. Kurt Lange, das er solche Veranstaltungen wie die
11. SAP – Betriebs- und Personalrätekonferenz für sehr wichtig hält, denn nur wenn Unternehmensleitung und die Interessenvertretung der Arbeitnehmerschaft ordentlich zusammenarbeiten, gibt es auf dem Markt eine Chance.
Er wünschte der Veranstaltung  nochmals gutes Gelingen und allen Anwesenden lehrreiche und interessante Tage in Berlin.

Nun war es nach den freundlichen Worten der Begrüßung durch die Gastgeber Zeit, den Konferenzteilnehmern den Rechenschaftsbericht des Arbeitskreises vorzutragen. Diese Aufgabe übernahm einer der beiden Sprecher des Arbeitskreises, Rolf Nidrich, im normalen Leben Betriebsratsvorsitzender der Stadtwerke Bremen AG.
Die Konferenzteilnehmer gaben den Vorschlägen des Arbeitskreises einmütig ihre Zustimmung zu den anstehenden Aufgaben.

Nun hieß es Obacht geben für einen Vortrag von Hans-Dieter Hahn von der PANDORA Neue Medien GmbH, zum Thema „Vernetzung und Telearbeitsplätze“
Zu diesem interessanten Vortrag gab es nun die ersten Diskussionen im Saal. Es gab zum Beispiel die Anfrage, dass es nicht nachvollziehbar wäre, wie Netzwerksregeln händelbar wären. Darauf kam die etwas weitläufige Antwort, das Netzwerksregeln irgendwann klar definiert werden müssen, leider kam nicht klar zur Sprache, wie denn das gehen solle. Für alle eindeutig war aber, das die Betriebsräte sich weder gegen Telearbeitsplätze wehren können bzw. wollen, da auch ein großer Teil der Beschäftigten durchaus Vorteile aus der Teleheimarbeit ziehen würden.  Allerdings ist die Gefahr groß, dass bestehende Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder das Betriebsverfassungsgesetz ausgehebelt werden können, wenn es um die Fragen der Arbeitszeit oder der Entlohnung geht.

Als einigen Konferenzteilnehmern nun aber laut und vernehmlich der Magen knurrte und die eigentlich betriebsratsuntypische Frage nach Kaffee im Saal kursierte, entschloss man sich zu einer kurzen Pause, um dann frisch gestärkt das weitere Geschehen in Angriff zu nehmen.

Tatsächlich tauchten alle Konferenzteilnehmer mehr oder weniger pünktlich im Saal wieder auf und waren auf das Kommende gespannt.

Nun folgte ein Beitrag von Dr. Ahmet Cakir vom ERGONOMIC Institut für Arbeits- und Sozialforschung und Forschungsgesellschaft mbH zum Thema „Software-Ergonomie“.
Dieser sehr interessante Vortrag ließ erst einmal den Zeitplan etwas außer Kontrolle geraten, denn es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, hier ein paar Auszüge:

Frage: Wann war SAP klar, das ihr Produkt ergonomisch verbessert werden müsste?
Antwort: SAP hat über 600 Betreuer zur Überprüfung der Ergonomie eingesetzt, es wird von SAP selbst ziemlich genau darauf geachtet, dass die Ergonomie auf dem neuesten Stand ist. Es sind für SAP elf Softwareergonomen  im Einsatz, das ist weltweit einzigartig.

Frage: Wo werden Ansatzpunkte gesehen, um in der Softwareergonomie etwas zu verbessern und zu verändern?
Antwort: Die Unternehmen müssen selbst viel mehr tun, um die Ergonomie etwas zu verbessern. SAP hat eigentlich dazu eine ordentliche Basis geschaffen. Man muß die Off-Line-Bearbeitung den Nutzern selbst erlauben, um weitere Verbesserungen zu erreichen.

Frage: Es wurde von SAP mehr Übersichtlichkeit gefordert, was ist das Ergebnis?
Antwort: Die Anwender haben mit der jetzigen Übersichtlichkeit leben gelernt und sehen nur das, was für sie wirklich wichtig ist. Die Umsetzung ins Client – Server – System ist SAP allerdings nicht zu 100 %gelungen.

Als letzter Punkt des ersten Tages stand das Referat von Stefan Ditscheid, Mitarbeiter der Bewag und dort Sachgebietsleiter Benutzerservice, über das Intranet der Bewag auf dem Programm.
Er machte zum Anfang einige Ausführungen zur Historie der Intranet – Einführung bei der Bewag und den derzeitigen Zustand.
Zum Beispiel sind für die 5400 PCs drei Mitarbeiter an einer Hotline beschäftigt. Ansonsten gibt es für 240 PCs einen Techniker (Betreuer). Weiterhin führte er aus, das es beim Betreiben eines Intranets bestimmte Regeln geben sollte. Die Bewag hat zum Beispiel ein Gremium gebildet, das entscheidet, welche Seite überhaupt ins Intranet kommt.
Kollege Ditscheid führte weiterhin aus, dass auch über externe Telefone sich ins Netz eingewählt werden kann, mit entsprechendem Namen und Passwort natürlich. Dann folgte sein eigentlichen Vortrag. Natürlich gab es auch zu diesem Thema einigen Fragen, von denen wieder einige hier dargestellt werden:

Frage: Wird das Intranet auch für private Zwecke genutzt, z.B. kann man über eine E –Mail ein Auto verkaufen?
Antwort: Es gab innerhalb eines halben Jahres von 100 000 Intraneteinträgen sieben private Einträge. Das Bewag-Intranet  ist grundsätzlich ein Betriebsmittel und fur private Zwecke verboten.

Frage: Kann man private Einträge nicht legalisieren, als visuelles schwarzes Brett z.B.?
Antwort:
Das wurde beim Projektstart vorgeschlagen, laut einer Managementvorgabe aber nicht genehmigt.

Frage: Haben die Außendienstmitarbeiter im Vergleich zum PC- Anwender nicht ein Informationsdefizit?
Antwort: Nein, denn es gibt sowohl Rundschreiben, schwarze Bretter als auch eine Werkszeitung.

Frage: Wie ist es mit einer Verschlüsselung als Sicherheit auch nach außen? 
Antwort:
Ist zur Zeit in Arbeit.

Frage: Wie steht es mit der Systemsicherheit?
Antwort: Es wurde lange auf dem Markt gesucht, das sicherste System ist aber das, was ausgeschalten ist.

Frage: Ist Workflow integriert?
Antwort: Das Anliegen wurde im Projekt nach zwei Monaten abgebrochen, Workflow macht dann Sinn, wenn die Unternehmenskultur soweit ist.

Frage: Wer hat eine Zugangsberechtigung  zum Internet?
Antwort: Ab Hauptabteilungsleiter aufwärts, ansonsten können 1.000 Leute im Internet mailen.

Frage: Wie schützen Sie sich vor dem Mißbrauch über Internet ?
Antwort: Das ist ein verlorener Kampf der Anbieter, der den Zugang bereit stellt, kann nicht für die Sicherheit sorgen, daß ist ein Problem auf Dauer bei der Internet-Nutzung.

Den Abschluss des ersten Tages bildete ein gemeinsames Abendessen im Hotel. Anschließend waren die Konferenzteilnehmer zu Gast bei einer Vorstellung des besonders im Osten des Landes bekannten Kabaretts „Die Distel“. Manch einer ging sehr nachdenklich aus dieser Vorstellung heraus und sieht manches jetzt vielleicht mit anderen Augen!

 

2. Tag – 21. Oktober 1998

Am zweiten Konferenztag begrüßte uns nun auch der Betriebsratsvorsitzende der Bewag, Lothar Mielke, sehr herzlich!
Er war am ersten Tag der Konferenz verhindert, weil er zu Gesprächen in Essen weilte, wo mit dem zukünftigen Bundeswirtschaftsminister Werner Müller über die Chancen der deutschen Energieversorger gesprochen wurde. Es hatte sich eine AG- Energie mit Betriebsräten aus verschiedenen Unternehmen gegründet, die dieses Gespräch angeregt hatte. Dieses Treffen zeigte, das ganz genau die Wettbewerbssituation zu beachten ist und der künftige Minister Müller sehr wettbewerbsorientiert denkt. Es wurden Fragen zu einem kommenden (?) Energierecht angesprochen und die Frage des Ausstieges aus der Atomenergie erörtert. Atomkraftwerke sollen stillgelegt werden, ein Jahr werden Verhandlungen zum geordneten Ausstieg aus der Atomenergie laufen. Es wird kein materieller Schaden daraus entstehen, aber unweigerlich Arbeitsplatzabbau zur Folge haben. Die AG-Energie möchte bei folgenden Gesprächen in der Politik zu diesem Thema mit eingebunden werden!

Nach diesen interessanten Informationen wurde Lothar Mielke vom Arbeitskreis im Namen der Konferenzteilnehmer ein Geschenk überreicht, denn wie es der Zufall wollte hat Lothar Mielke am 21.10. Geburtstag, jeder kann ja gerne Lothar anrufen und fragen, wie alt er denn geworden ist.

Jetzt war aber wieder die Zeit ernsthafter Arbeit gekommen und da alle am Vorabend artig zeitig ins Bett gegangen waren, konnten Sie ohne Kopfschmerz oder Drehwurm den nun folgenden Vortrag von Doris Kulke, Mitarbeiterin der Bewag, zum Thema: „Einführung von People Soft“ genießen.
Zu Beginn stellte Doris Kulke PeopleSoft kurz vor als Konkurrenzprodukt zu SAP/HR. PeopleSoft hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Pers-Info 3, einem weiteren Personalbearbeitungssystem. Sie betitelte die Projektkosten für PeopleSoft mit 6,6 Mill. DM und die Kosten für SAP mit 10,6 Mill. DM. Bei Ihrem Vortrag zur Struktur der Projektorganisation kam zwar heraus, dass der Betriebsrat der Bewag zwar nicht mit im Lenkungsausschuss sitzt, aber nach Angaben von Christian Münnich trotzdem weitreichende Kompetenzen bei der Projektgestaltung hat, basierend auf einer Betriebsvereinbarung von 1953 über Mitbestimmung, die über das Betriebsverfassungsgesetz hinausgeht.
Nun folgte das Referat von Kollegin Doris Kulke.

Jetzt war es wieder an der Zeit um Energie nachzuladen und so begaben sich die Konferenzteilnehmer zu einer Kaffeepause, wo ausgiebig über das bisher Gehörte diskutiert wurde.

Anschließend kam der Vortrag“ Einführung von SAP R/3 HR“ von Norbert Krause, Mitarbeiter bei den Stadtwerken Bremen AG, an die Reihe. Nach einer kurzen persönlichen Vorstellung ging er zu Beginn seines Referates auf einige spezifische Dinge, die Bremer Stadtwerke betreffend, ein. Aus seiner Sicht würde sich der Personalbestand nach 3200 Mitarbeitern im Jahre 1994 über 2600 zum jetzigen Zeitpunkt bis auf 1800 im Jahre 2006 reduzieren. Das bedeutet bei weniger Personal einen immensen Qualifizierungsaufwand.
Danach sprach er über die Kosten, die bei der Einführung von SAP-HR angefallen sind,

Hardware: 35.000DM

Software: 130.000DM

Projektkosten: 1,12 Mill. DM (Schulungskosten der Mitarbeiter nicht enthalten)

Lizenzkosten: 240.000DM

Die Summe der Gesamtkosten beträgt nach obigen Angaben rund 1,3 Millionen DM.

Vor dem Mittagessen wurden nun noch organisatorische Dinge geregelt für der weiteren Verlauf des Tages, sowie der Abendveranstaltung. Anschließend fand die „Sitzverteilung“ der folgenden Arbeitsforen statt:

  • Forum 1: Vernetzung und Telearbeitsplätze
    Hans-Dieter Hahn,  PANDORA
    Volker Reinhoff, Stadtwerke Wuppertal
  • Forum 2: Intranet und Internet
    Stefan Ditscheid, Bewag
    Günther Herrmann, Stadtwerke Bremen
  • Forum 3: Softwareergonomie
    Dr. Ahmed Cakir,  ERGONOMIC
    Gerhard Brillisauer, MAINOVA Frankfurt/M.
  •  Forum 4: People Soft vs. SAP R/3 HR
    Doris Kulke, Bewag
    Norbert Krause, Stadtwerke Bremen
    Egon Muthmann,  DEW

Die Namen unter den Themen sind die Moderatoren bzw. die Protokollanten der o.g. Foren.

Nachdem alle Plätze vergeben waren, begaben sich die Konferenzteilnehmer zu Tisch. Anschließend begann bis Abends die Arbeit in den Foren, die Ergebnisse entnehmt Ihr bitte den nachfolgenden Protokollen.

Abends waren alle zu einem gemütlichen Zusammensein in der Gaststätte „Zur Nolle“ eingeladen. Bei vorzüglicher Bewirtung und hervorragenden Speisen und Getränken wurde eine intensive Fachsimpelei betrieben, frei nach dem Motto „Betriebsratsarbeit ist Knochenarbeit„, so sagt jedenfalls Friedhelm Mittmann, Betriebsratsvorsitzender der Stadtwerke Essen immer, und wo er Recht hat, hat er Recht!

 

3. Tag – 22. Oktober 1998

Schon war der letzte Tag der Konferenz angebrochen und es begann Frau Helga Schuler, PRISMA Unternehmensberatung für Telekommunikation GmbH, mit Ihrem Referat zum Thema: Vom Call-Center zum Kunden-Interactions-Center.
Am Anfang betonte Sie, dass in der heutigen Gesellschaft vom Kunden mehr Service gewünscht wird und die Erwartungshaltung immer mehr steigt. Ein Beispiel ist das globale Call-Center der Lufthansa mit Call-Centern in Dublin und Südafrika. Der Kunde bestimmt heutzutage, wie der Kontakt mit Dienstleistern zustande kommt. Dadurch entstehen in den neu gegründeten Call-Centern neue Strukturen, neue Teams mit neuen Mitarbeitern.
Leider wird Telefonieren heute als mindere Arbeit zum großen Teil angesehen, dabei ist gerade die Arbeit in einem Call-Center nicht von Pappe, man muss auch bei den unhöflichsten Kunden immer freundlich und korrekt bleiben, da man ja als Mitarbeiter einer ständigen Kontrolle unterliegt, es werden zum Beispiel alle eingehenden Anrufe mitgeschnitten. Kunden erwarten eine schnelle und direkte Antwort, tödlich wäre die Aussage: „Ich weiß es nicht, da kann ich Ihnen nicht helfen“! Eine Nummer muss für umfassenden Service gelten, dabei ist eine genaue Kapazitätsplanung sehr wichtig. Trotz immer größerer Inanspruchnahme solcher Dienstleistungen ist der Ruf von Call-Centern immer noch schlecht, schlechte Bezahlung oder sogenannte „Hühnerställe“, viele Mitarbeiter auf engstem Raum gehören zu den Hauptkritikpunkten.

Nun war, quasi als Gegenpol, Bernd  Bertling, Mitarbeiter der Dortmunder Energie – und Wasserversorgungs GmbH, an der Reihe, um aus Sicht eines Betriebsrates ein Call-Center etwas näher zu beleuchten.
Für einen Betriebsrat gibt es bei Schaffung eines Call-Centers natürlich ein paar prinzipielle Fragen, zum Beispiel werden ja nicht nur neue Jobs geschaffen, sondern in einem Stammunternehmen, wo ein Call-Center eingerichtet werden soll, hat es ja vorher auch Anlaufstellen für Kunden gegeben, oder werden die Call-Center nur durch 620 DM-Jobs besetzt, wie groß ist die Arbeitsfläche und das Arbeitsumfeld der Kollegen usw.?
Weiterhin hat ein Betriebsrat auf die seelische Belastung der Mitarbeiter ebenfalls zu achten, denn: „Nicht alle Kunden sind Psychopaten,  aber alle Psychopaten sind unsere Kunden“! Wie wird ein Call-Center überhaupt aufgebaut, ist die entscheidende Frage!
Solche und andere Fragen behandelte Bernd Bertling in seinem Vortrag.

Nun kam es zur letzten Kaffeepause während dieser Konferenz und es wurde allen wieder einmal vor Augen geführt,  wie unwahrscheinlich schnell die Zeit vergeht, wenn man ein interessantes und wichtiges Thema wie die Einführung neuer Technologien behandelt. Es wurde noch ein wenig gefachsimpelt, es gab auch leider schon die ersten Verabschiedungen, aber dann ging es noch einmal ins Plenum zurück, wo als eigentlich letzter großer Tagesordnungspunkt eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wie lassen sich Call-Center arbeitnehmerfreundlicher gestalten?“

  • Diskussionsleiter : Christian Walther,  SFB
  • Helga Schuler, PRISMA
  • Ute Steinhauf, Bewag
  • Bernd Bertling, DEW
  • Otmar Dürotin, DPG

Am Anfang standen Fragen zur gegenwärtigen Situation in den Unternehmen.
Ute Steinhanf sagte, daß vor 18 Monaten bei der Bewag  ein Call-Center gegründet wurde. Zuerst mit keinerlei großartiger Technik, zwölf  Telefonnummern wurden zu einer Sammelnummer zusammen gefasst.

Frage: Sind Call-Center  notwendig  oder können nicht auch Sachbearbeiter Fragen klären?
Antwort von H. S.:
– Call – Center  sind wichtig fiir das Image des Unternehmens
– neues Denken  muß entwickelt  werden
– es muß eine Prozeßorientierung einsetzen

Frage: Wie lang ist die Verweildauer in einem CC? Wie stehen die Chancen durch Fortbildung, die Arbeit im Sachgebietsbereich zu belassen ?
Antwort von B. B.: Es ist auch ein technisches Problem, die Arbeit im Sachgebietsbereich zu belassen, wenn das gelöst ist, reichen dann vielleicht vier Stunden Arbeit im CC und vier Stunden  im Bereich (Mischarbeitsplatz). Teilweise durch Gefallen an der Arbeit ist acht Stunden CC- Tätigkeit möglich, der Spaß an der Arbeit ist entscheidend.

Frage: Eine Umfrage in Nordrhein-Westfalen ergab, daß bei zehn untersuchten CC acht davon mit Leuten unter 30 Jahren besetzt waren, sind das die Auswirkungen des Stresses ?
Antwort von O. D.: Tatsächlich beträgt das Durchschnittsalter der im CC -Beschäftigten um die 30 Jahre, daß zeigt natürlich die Auswirkungen der Belastbarkeit in CC bei älteren Arbeitnehmern. Es gibt Modelle zu CC aus den USA, wo z.B. der Teamleiter von den Mitarbeitern gewählt wird und auch selbst mitarbeitet. In Deutschland wird ein Modell aus den USA übernommen, aber nur die Hälfte umgesetzt. Es zeigt sich aber auch in den USA, daß dort Mitarbeiter nach zehn Jahren CC total ausgebrannt sind. Für uns weiterhin wichtig, daß in CC häufig Mitarbeiter ohne konkrete Ausbildung in 620 DM Jobs beschäftigt werden, was natürlich gewerkschaftlich abzulehnen ist.

Frage: Die Teamsituation in den USA kommt einen ja manchmal sehr romantisch vor, der Teamleiter hat ja auch Überwachungsaufgaben der Kollegen zu erfullen, ist er nun Kumpel oder Einpeitscher?
Antwort von O. D.: Der Teamleiter ist in Deutschland typisch als Aufpasser der Mitarbeiter. 

Frage: Man hat gehört, daß 65 % der Stellen in CC mit Frauen besetzt sind, wie lange sind CC noch Zentralen oder gibt es die Möglichkeit CC als Heimarbeit zu gestalten?
Antwort von H. S.: 70% meiner Mitarbeiter sind Frauen, Teleheimarbeit wird eher skeptisch gesehen. Wenn überhaupt, ist die Telearbeit ordentlich zu integrieren (Wohnen und Arbeiten). Die Gleichstellung der Mitarbeiter in CC ist wichtig (fachlich), ebenso die ständige Qualifikation, auch gewerbliche Mitarbeiter sind zu CC – Mitarbeitern zu qualifizieren. Leider sehen das aber die Manager heute noch nicht so, dabei sind fast alle Menschen lernfahig bei guten Qualifikationsangeboten.

Frage: Gibt es Mindeststandards in CC oder bei Teleheimarbeit?
Antwort von O. D.: Es gibt einen ersten Tarifvertrag fur Heimarbeit, das Mitgestalten ist entscheidend, zur Zeit sind die Entwicklungen da, daß Arbeit in CC Billiglohnarbeit ist. Das Berufsbild CC-Agent wird von den Gewerkschaften abgelehnt, da ist von allen etwas dabei. Klassische Berufsbilder müssen erhalten werden. Die Politik macht auch keine Anstalten, etwas zu verändern.

Frage: CC scheinen sich als Querschnittsbranche zu entwickeln, zum Beispiel in der Werbung?
Antwort von B. B. und O. D.: Man warnt zwar vor Auswanderung der CC (z.B. nach Irland) B. B., aber O. D. kann sich das nicht vorstellen.

Frage: Gibt es Strategien  um zu vermeiden, daß Mitarbeitern in CC nach 2 – 3 Jahren verschlissen sind
Antwort von U. S.: Es gibt die Möglichkeit durch Mischarbeitsplätze, natürlich durch eine ordentliche Ausbildung und gutes Betriebsklima. Man muß auch bedenken, daß die Bevölkerung begeistert ist nach 19.00 Uhr nochjemand fur eine Auskunft anzutreffen.
Antwort von B. B.: Es gibt Erfahrungen bei CC, daß Leute vom CC erwarten, daß dies 24 Stunden täglich erreichbar ist, muß das wirklich sein ?

Das soll ein Auszug aus der Diskussion zu Call-Centern gewesen sein, denn die Zeit war schon so schnell vergangen, daß leider abgebrochen werden musste und Rolf Nidrich, ein Sprecher des Arbeitskreises neben Egon Muthmann, nochmals kurze Ausführungen zur weiteren Arbeit des Arbeitskreises machte, sowie die Anwesenden informierte, daß sich die Konferenzgebühr auf ca.1.000 DM erhöhen würde,  um auch kleineren Unternehmen die Chance zu geben einmal Ausrichter einer SAP – Betriebs-  und Personalrätekonferenz zu sein.

Dann kam plötzlich Prof. Dr. Winje, Vorstandsvorsitzender der Bewag, zur Tür herein und hielt eine kurze Ansprache zur Verabschiedung.

Anschließend gab Lotbar Mielke einen Ausblick auf die 12. SAP-Konferenz  1999 in Mannheim und verabschiedete alle Anwesenden im Namen des Betriebsrates der Bewag .

Zum Schluß bedankte  sich Gerhard Brillisauer, Betriebsrat der MAlNOVA Frankfurt/M. und Angehöriger des SAP – Arbeitskreises, im Namen aller für die ausgezeichnete Organisation und Durchführung der Konferenz durch die Freunde der Bewag.

Damit war die 11. SAP – Konferenz  leider schon wieder Geschichte,  aber schon heute geht der SAP- Arbeitskreis gemeinsam mit unseren Mannheimer Kollegen an die Vorbereitung für die 12. SAP- Konferenz 1999.
Wir hatten mitbekommen, daß einige Kollegen mit der Erwartung nach Berlin gekommen waren, um sich Betriebsvereinbarungen aus anderen Unternehmen zu Themen der Konferenz anschauen zu können. Deshalb unser Appell an alle: Bringt nach Mannheim Betriebsvereinbarungen mit, damit wir voneinander lernen können und so stärker als Betriebs- oder Personalräte werden.

 

 

 

 

 

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