Die nächste Konferenz wird vom 05. – 07. November 2019 in Wuppertal stattfinden.

1997 Essen – Tagungsprotokoll

 

Friedhelm Mittmann, Betriebsrat der Stadtwerke Essen AG und Konferenzleiter, begrüßte in dem wunderschönen Ambiente des Sheraton-Hotels fast 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ca. 40 Versorgungs- und Verkehrsbetrieben.

Danach begrüßte Herr Manfred Arenz, Kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke Essen AG, die Anwesenden.

Nach dem Begrüßungsteil erstattete Wilhelm Funken (Stadtwerke Wuppertal) den Bericht des SAP-Arbeitskreises.

Nach dem Bericht des SAP-Arbeitskreises wurde die Internet-Präsentation am Fallbeispiel Stadtwerke Kiel AG von Wolfgang Podolske (Abteilungsleiter Marketing) vorgezogen. In dem engagiert gehaltenen Vortrag referierte Wolfgang Podolske über folgende drei Schwerpunkte:

1)     Trends und Entwicklungen zum Information-Highway Internet

  • Soziologische Probleme durch elektronische Medien
  •  Spielwiese für Cyberfreaks oder direkter Draht zum Kunden
    – Vor 4 Jahren: Internet Spielwiese für junge Freaks wenig Angebote mit konkretem Nutzwert
    – Heute: Das Internet ist erwachsen geworden, Schüler sowie junge Berufstätige im Durchschnittsalter von 24-32 Jahren dominieren, gezielte Suche nach aktuellen Informationen, nutzerorientiertem Service und Unterhaltung.

Gute Voraussetzungen für den direkten Draht zum Kunden – 24 Stunden am Tag – 365 Tage im Jahr.

2)     Beweggründe, Ziele und Umsetzung

  •  Die Entscheidung für eine Online-Präsenz
    – Imagezuwachs als zeitgemäßer Dienstleister
    – Globale Kommunikation aktueller Unternehmensinformationen
    – Ausbau des Services und der Kundenorientierung
    – Präsenz bei der Zielgruppe von morgen
    – Informationsmedium für die Fachabteilungen
  • Die Entwicklungsschritte bis zur Umsetzung
    – Bildung eines Arbeitskreises auf Konzernbasis
    – Entscheidung für einen schrittweisen Einstieg
    – Erstellen eines Konzeptes für den Internet-Auftritt
    – Beteiligung des Betriebsrates an der Planung
    – Zustimmung des Vorstands zum Internet-Auftritt

3)     Erfahrungen mit dem Internet-Auftritt

  •  Zahlen und Fakten
    – Zugriffe pro Monat auf die Homepage
  • Fazit: Weniger ist oft mehr!
    – Internet als direkter Draht zum Kunden – keine Bleiwüste für Unternehmensinformationen

Zum Abschluss seiner Präsentation empfahl Wolfgang Podolske den anwesenden Betriebs-­ und Personalräten dringend, bei allen Entwicklungsschritten aktiv mitzuarbeiten und mit zu­ gestalten.

Anschließend nahm Wilhelm Funken nach Vorlagen von Volker Reinhoff (beide Wupperta­ler Stadtwerke AG) in einem Vortrag zum Thema „Telearbeit“ wie folgt Stellung:

Information
„Information ist zum vierten großen Wirtschaftsfaktor geworden – so wichtig wie Rohstoffe, Arbeit und Kapital. 1994 erreichte die deutsche Informationswirtschaft ein Marktvolumen von 382 Milliarden DM,  etwa 11 % des Bruttoinlandsproduktes und die Tendenz ist stei­gend…. Telearbeit ist eine Konsequenz der dritten industriellen Revolution.“ (Heimo Ponnath)

Definition
„Telearbeit ist die Arbeit aus der Ferne mit den Mitteln der modernen Telekommunikations-­ und lnformationstechnik.“ (Heimo Ponnath)

Telearbeit ist

  • jede Informations- und Kommunikationstechniken unterstützte Tätigkeit, einschließlich der Übertragung der Arbeitsergebnisse,
  • die ausschließlich oder alternierend an einem räumlich außerhalb des Betriebes im herkömmlichen Sinne liegenden Arbeitsplatz (Nachbarschaftsbüro, Satellitenbüro, Privatwohnung, mobile Telearbeit) verrichtet wird,
  • der mit der zentralen Betriebsstätte durch elektronische Kommunikationsmittel verbunden ist, sofern diese Tätigkeit nicht nur gelegentlich erfolgt. (Bericht der Bundesregierung zu Telearbeit und Arbeitsrecht)

 

Formen der Telearbeit

  • Ausschließliche Telearbeit
  • Alternierende Telearbeit
  • Telearbeit in Nachbarschafts- oder Satellitenbüros

 

Denkbare Tätigkeiten für Telearbeit

  • Textverarbeitung
  • Komplexe Sachbearbeitung
  • Softwareerstellung im EDV-Bereich
  • Konstruktionsarbeiten an CAD- oder CAE-Bildschirmen
  • Vertrieb
  • Service

 

Vorteile der Telearbeit für den Arbeitgeber

  • Neue Möglichkeiten im Vertrieb, Service und in der Kundenbetreuung
  • zeitaufwendige, unproduktive und kostenträchtige Fahrtzeiten entfallen
  • neue Möglichkeiten bei Bereitschaftsdiensten
  • verringerter Personalbestand
  • vollautomatischer Betrieb von Rechenzentren
  • konzentriertes Arbeiten ohne Ablenkung
  • Flexibilisierung von Arbeitszeiten
  • Optimale Anpassung bei Outsourcing
  • Geringerer Raumbedarf
  • Bessere Reaktion auf schwankenden Arbeitsanfall
  • Verlagerung des Ausfallrisikos auf Beschäftigte
  • Arbeiten zu verbotenen Zeiten wird ermöglicht
  • bessere Auslastung der betrieblichen DV-Ressourcen
  • Ausnutzung aktiver Phasen der Arbeitnehmer („Selbstausbeutung“)
  • Wegfall von Lohnnebenkosten (Sozialleistungen)
  • Vergabe von Telearbeit in Niedriglohngebiete
  • Beschäftigung Alleinerziehender, Schwerbehinderter
  • Isolation vom Betrieb und Betriebs- und Personalrat
  • Reduzierung des arbeits- und sozialrechtlichen Schutzes der Beschäftigten
  • Verlagerung der Arbeit bei Arbeitskämpfen in streikfreie Regionen

 

Vorteile der Telearbeit für den Arbeitnehmer

  • Fahrtkosten und -zeiten entfallen
  • Hohes Prestige der Zeitsouveränität
  • Umgehung betrieblicher Zeitbeschränkungen
  • Individuell anpassbare Arbeitszeitgestaltung
  • Koordination der Arbeit mit Kindererziehung oder Nebentätigkeiten
  • Neue Möglichkeiten für Teilzeitarbeit
  • Beschäftigungsmöglichkeit für Alleinerziehende und Schwerbehindert

 

Nachteile der Telearbeit für den Arbeitgeber

  • Ungeklärte tatsächliche Kosten
  • Direkter Kontakt und direkte Kontrolle entfallen
  • Koordinations- und Kommunikationsprobleme bei komplexen Tätigkeiten
  • Probleme mit der Arbeitsorganisation
  • Neue und komplexe Führungsaufgaben
  • Datenschutzrechtliche Probleme
    – personenbezogene Daten (Banken, Versicherungen, im Personalwesen)
    – Grenzüberschreitender Datenverkehr
  • Gefahr vermehrter Schicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit
  • Gefahr dauerhafter Arbeitsbereitschaft
  • Verdichtung und Intensivierung der Arbeitsaufgabe
  • Möglichkeiten der DV-technischen Kontrollen
  • Arbeitsbelastung durch monotone Arbeitsinhalte
  • Erhöhtes Maß an „Selbstausbeutung“
  • Verdiensteinbußen durch Abwälzung von Produktionsschwankungen und Systemausfällen
  • Verlust sozialer Kontakte
  • Verlust des betrieblichen Sozialgefüges
  • Häusliche Isolation
  • Verlust von Karrierechancen
  • Schleichende Dequalifizierung
  • Lohneinbußen durch regionale Tarifflucht
  • Entfallen des arbeits- und sozialrechtlichen Schutzes bei Telearbeit außerhalb des Arbeitsverhältnisses
  • Risiko durch ungeklärte haftungsrechtliche Fragen
  • Verletzung von Arbeitsgesetzen (JuArbSchG, MuSchG)
  • Doppelte Belastung durch fehlende Trennung von Wohn- und Arbeitswelt
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestört
  • Reduzierung der privaten Wohnqualität
  • Ergonomieprobleme (Büromöbel, Licht- und Luftverhältnisse)

 

Beschäftigungsverhältnisse bei Telearbeit

  • Arbeitnehmer
  • Heimarbeiter oder Hausgewerbetreibender
  • Freie Mitarbeiter
  • Selbständige Unternehmer

 

Ziele bei der Gestaltung  von Telearbeit

  • Innerhalb von festen, mitbestimmungs- und sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen
  • Grundsätzlich nur alternierende Telearbeiten
  • Freiwilligkeit und Rückkehrmöglichkeit
  • Nutzung der Potentiale für Zuwachs von
    – Arbeitszeitsouveränität
    – Erweiterung der Entscheidungsspielräume
    – Größere Eigenverantwortlichkeit
  • Besondere Arbeitszeitregelungen
    – Arbeitszeit im Betrieb
    – feste Arbeitszeit  außerhalb des Betriebes
    – flexible (selbst bestimmte Arbeitszeit)
  • Arbeitszeiterfassung über Selbstaufschreibung
  • Teilnahmerecht an Betriebsversammlungen
  • Vertretungsrecht durch Betriebs-/Personalrat
  • Chancengleichheit
  • Anerkennung von Fahrtzeiten
  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Beachtung von Arbeits- und Gesundheitsschutzregelungen
  • Kostenübernahme des Arbeitgebers
  • Beteiligung an Miet- und Nebenkosten durch Arbeitgeber
  •  Qualifizierungsmaßnahmen
  • Abgesicherte Grundsätze der Leistungsbemessung
  • Keine Mengenbemessungen

 

Anforderungen an die Arbeitswelt

– zur Gewährleistung der sozialen Gestaltung der Informationsgesellschaft

  • Untersuchung der Auswirkungen des Strukturwandels auf Sozial- und Arbeitsbeziehungen
  • Entwicklung von Konzepten zur Technikgestaltung, Arbeitsorganisation, Qualifizierung
  • Überführung der EU-Richtlinien in nationales Recht, Nutzung der Produktivitätsgewinne zur, Vermeidung negativer Folgen für Arbeitnehmer, Schaffung  erweiterter Umverteilungsspielräume für sozialen Fortschritt
  • Berücksichtigung bei technischen und wirtschaftlichen Regulierungsent­scheidungen von Beschäftigungspolitischen Fragen, sozialen Folgen
  • Qualifizierungsoffensive zur Vorbereitung auf Qualifikationsanforderungen, Berufsbilder
  • Schaffung eines gesetzlichen Rahmens für Telearbeit, gesicherte und sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse, Geltungsbereich von Tarifverträgen und Arbeitsschutzvorrichtungen, Ausschluss von Leistungs- und Verhaltungskontrolle, Einführung und Gestaltung als erzwingbare Mitbestimmung, Anbindung an den Betrieb/Betriebs- oder Personalrat, Ausschluss sozialer Isolation, Grundsatz der Freiwilligkeit, Recht auf Rückkehr in betriebliche Arbeitsplätze, Recht auf entsprechende qualifizierte Vorbereitung

 

Anforderungen an die Gesellschaft

– Soziale Gestaltung der Informationsgesellschaft

  • Wissenschaftlicher Folgeabschätzung der Multimedia-Entwicklung
  • Klarheit über die Folgen, Zwischenmenschliche Kommunikation Kulturelle Wirkungen, Soziale Wirkungen, Strukturelle Wirkungen, Soziologische Wirkungen
  • Grundlage politischer Entscheidungen
  • Entwicklung gesellschaftlicher Leitbilder der Informationsgesellschaft, Gesellschaftlich nützliche Entwicklungsziele mit Multimedia-Techniken, Umweltschutz, Humanisierung der Arbeit, Verbesserung der Bildung, Verbesserung des medizinischen Fortschritts, Teilhabe der Bürger an demokratischen Entscheidungen, Verbesserung der Beziehung zwischen öffentlicher Verwaltung und Bürgern, Ausbau sozialer Dienste
  • Bildung und Ausbildung in Multimedia-Techniken, Orientierung in der Informationsgesellschaft, Sozialkompetenz für die Nutzung der neuen Techniken

 

Anforderungen  an den Daten- und Verbraucherschutz

  • Vorgabe technischer Zugangssicherungen z. B. Kinder- und Jugendschutz, Fortentwicklung des Verbraucherschutzes, Produkthaftung für Informationsanbieter, Festlegung unzulässiger Informationsangebote, Vorgabe technischer Zugangssicherungen z. B. Kinder- und Jugendschutz, Anzeigepflicht der entstandenen Kosten, Besondere Kaufrücktrittsrechte bei elektronischem Kauf
  • Keine Persönlichkeitsbilder aus Daten
  • Schutz vor unbefugtem Zugang
  •  Echtheit von Kommunikationsbeziehungen
  •  Schutz der personenbezogenen Daten über das Kommunikationsverhalten
  • Unabhängige und einheitliche Kontrolle von Datenschutz- und Datensicherungsvorhabe
  • Einrichtung von Verbraucheranwälten

 

Nun folgte ein Vortrag von Leinhard Linz (BIT e. V.) zum Thema „SAP im Betrieb – Empfehlungen zur Gestaltungsarbeit“. Reinhard Linz berichtete über Er­gebnisse aus dem GISSAS-Projekt und aus zwischenzeitlichen Beratungserfahrungen.

An den Vortrag von Herrn Ritter (SAP) schloss sich am letzten Konferenztag die Podiums­diskussion mit dem Thema: „SAP, erleiden oder gestalten?“ an. Diskussionsteilnehmer waren Andreas Blume (BIT e. V.), Christian Ritter (SAP), Thomas Barthel (FORBIT e. V.), Egon Muthmann (DEW) sowie Wilhelm Funken (Stadtwerke Wuppertal).

In den Beiträgen kam zum Ausdruck, daß das Motto … „erleiden oder gestalten? nicht rich­tig ist, da beides zuträfe. SAP ermöglicht durchaus Handeln der Betriebs- und Personalräte. Sie sollten deshalb nicht den „Auslieferungsstandort“ einnehmen.
Business Framewerk bedeutet auch Rationalisierung, aber man kann die Entwicklung auch positiv werten. SAP berücksichtigt tatsächlich in hohem Maße Software-Ergonomie (von TÜV Rheinland zertifiziert). Nur die Betriebe müssen die Möglichkeiten auch umsetzen. Viele Betriebe un­terlassen die ergonomischen Anpassungen aus Zeitmangel. Die BR/PR müssen aber dar­auf achten, daß diese Anpassungen in den Projektplanungen berücksichtigt werden. Bei der Projektplanung erweist sich die Kapazitätenplanung als heikles Thema und wird meistens – wie z. B. bei der Ergonomie – nicht sauber gemacht.

Leider ist jetzt Realität, daß nun viele Arbeitsplätze, die in den 70er und 80er Jahren ent­ standen sind, in kurzer Zeit verlorengehen (z. B. Datenerfassung, Operating usw.). Zudem ist ein genereller Wechsel zu beobachten: das EDV-Know-how verlagert sich zusehends von zentralen IT-Abteilungen zu den Fachabteilungen. Dort werden die Arbeiten neben der eigentlichen Aufgabenstellung „mitgemacht“ (also Personalreduzierung).

Am Schluss der Konferenz dankte Egon Muthmann im Namen aller Teilnehmerlinnen den Gastgebern – den Stadtwerken Essen, den Betriebsräten sowie den eingebundenen Kolle­ginnen und Kollegen für den hervorragenden, reibungslosen Konferenzablauf sowie für die fürsorgliche Betreuung. Inhalt und Atmosphäre dieser Konferenztage waren wirklich begeisternd und wie Friedhelm Mittmann zur Eröffnung richtig sagte – dieser Jubiläums­veranstaltung wirklich würdig. Nochmals herzlichen Dank!

Zu Beginn seiner Schlußworte bat der Konferenzleiter Friedhelm Mittmann das Plenum, den Arbeitskreis zu bestätigen und für seine weitere Arbeit u. a. die Konferenzvorbereitung 1998 zu autorisieren. Die Bestätigung durch das Plenum erfolgte einstimmig.

Nun dankte Friedhelm Mittmann seinerseits allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen für ihren Besuch und das gezeigte Interesse. Er hoffe, daß sich alle anläßlich der 11. SAP-Konferenz in Berlin (Gastgeber BEWAG) wie­dersehen und wünschte eine gute Heimfahrt.

 

1997 Essen - Gruppenfoto

 

 

 

 

 

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